Leadership in Krisenzeiten – Herausforderung und Chance

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Wie Führung sich durch die aktuelle Krisensituation verändert und welche Wandlung Menschen in leitenden Funktionen jetzt durchschreiten müssen

Leadership in Krisenzeiten - Herausforderung und Chance

Wolf Lüdge – Leadership-Experte

Wir sprachen mit Wolf Lüdge von Natural Leadership, Wetzlar, wie Führung sich durch die aktuelle Krisensituation verändert und welche Wandlung Menschen in leitenden Funktionen jetzt durchschreiten.

Frage: Die Welt befindet sich in der größten Veränderung der letzten Jahrzehnte. Der Klimawandel ist allgegenwärtig. Nach Corona ist der Ukraine-Krieg ein zweiter externer Schock, der Wirtschaft und Menschen verunsichert. Die stark steigenden Rohstoffpreise und die schlechte Verfügbarkeit von Rohstoffen am Weltmarkt tun ihr übriges. Wie gehen Führungskräfte in der Ausrichtung ihrer Unternehmen und in der Führung ihrer Mitarbeiter am besten mit dieser Situation um?

Wolf Lüdge: Meines Erachtens ist grundsätzlich erstmal der Status der Situation festzustellen. Bin ich als Führungskraft, ist mein Unternehmen in einer Krisensituation? Als Gesellschaft und Wirtschaft sind wir es auf jeden Fall! Warum ist es wichtig, diesen Status festzustellen? Mir geht es nicht um Schwarzmalerei, mir geht es um Sensibilisierung für die Situation und Schärfung der Werkzeuge. Wenn ich als Führungskraft denke und kommuniziere, es ist alles gut, wird meine Vorgehensweise und die Stringenz meiner Entscheidungen anders sein, als im Krisenfall. Habe ich mir gegenüber schonungslos die Ist-Situation beschrieben, ist das der erste Schritt zur Handlungsfähigkeit.

Frage: Welche Qualitäten sind wichtig für angehende und gestandene Führungskräfte angesichts dieser Krisensituationen?

Wolf Lüdge: In einer Krise ist vor allem das Bewusstsein zu schärfen, wie sich diese Situation auf Entscheidungen auswirkt. In der Krise gibt es keine Entscheidungen unter Sicherheit. Viele wichtige Entscheidungen haben einen ungewissen Ausgang oder eine ungewisse Eintrittswahrscheinlichkeit. Dadurch steigt das Risiko, eine falsche Entscheidung zu treffen, stark an. Excel-Sheets und Powerpoints werden weniger brauchbar als Grundlage für Entscheidungen. Auf den Bauch kommt es an! Gefühl für die Situation zu entwickeln und aus dem Bauch zu entscheiden, ist ein wichtigerer Faktor für Leader. Da die Gefahr des Scheiterns größer wird, steigt die Angst vor der Entscheidung. Wichtig ist es, Entscheidungsfähigkeit herzustellen, Probleme nicht auszusitzen. Daneben ist es essenziell, Resilienz auszuprägen. Das Umgehen mit dem Misserfolg wird ein ebenso wichtiger Punkt, wie die eigentliche Entscheidung. Hinfallen und Aufstehen!

Frage: Wie wird sich die allgemeine Situation Ihrer Einschätzung nach weiterentwickeln?

Wolf Lüdge: Niemand wird seriös vorhersagen, was in den nächsten Monaten und Jahren auf uns zukommt. Wir sind alle im Nebel. Wie sieht sinnvolles Verhalten im Nebel aus? Langsam fahren und vor allem auf Sicht fahren. Das heißt, sowohl operativ wie strategisch kurzfristig handlungsfähig zu sein. Aktuell ist nicht die Zeit von langfristigen Strategiepapieren. Anpassungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen ist die Strategie in Zeiten der Krise. Hierbei ist es eminent wichtig, die Kontrolle zu behalten, beziehungsweise die Kontrolle zurückzuerhalten. Wir als Führungskräfte treiben die Dinge und nicht die Dinge uns, speziell in Zeiten der Krise. Dazu brauchen unsere Mitarbeiter uns an ihrer Seite und wir unsere Mitarbeiter an unserer Seite.

Frage: Was ist Ihrer Erfahrung nach, zu beachten, um die Mitarbeiter für die Situation zu sensibilisieren und diese handlungsfähig zu machen?

Wolf Lüdge: Eine Führungskraft muss zum Anführer werden, krisenfest sein oder es werden. Entschiedenheit, Tatkraft, Nähe und Entspanntheit in schwierigen Situationen sind essenziell. Genauso wichtig ist es, die Mitarbeiter effektiv und effizient einzusetzen. In Krisensituationen sind eine klare und ehrliche Kommunikation und Transparenz unabdingbar, um Menschen mitzunehmen. Aus der Krise erwächst die Chance, näher zusammenzurücken.
Ich empfehle Führungskräften, auf Micromanagement zu verzichten. Die Last und die Entscheidungen auf viel Schultern zu verteilen, hilft allen, dem Unternehmen, der Führungskraft und den Mitarbeitern. Wir lassen die traditionellen Führungsmodelle hinter uns, die in der katholischen Kirche und im Militär ausgeprägt wurden. Den Menschen wird Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit zurückgegeben.

Frage: Was ist neben dem Aufbrechen der traditionellen Führungsmodelle noch zu tun, um Unternehmens- und Mitarbeiterführung erfolgreicher zu gestalten?

Wolf Lüdge: Wir müssen aufhören, alles rational zu ergründen, alle Faktoren der Unternehmensführung aus der Standardliteratur und der Vergangenheit abzuleiten. Die Ingenieurswissenschaften haben es mit dem Ansatz der Bionik vorgemacht. Die Natur hat auch für die Unternehmensführung alles im Repertoire, was wir brauchen: Die Strategien, die Führungsbilder und viele Wege der Entscheidungsfindung. Es gibt kein besseres Anschauungsbeispiel für Führung als ein Wolfsrudel. Wenn ich Teamarbeit perfektioniere, kommen ich an Löwen bei der Jagd als Vorbild nicht vorbei.
Anfang des Jahres habe ich zum Beispiel in einem typischen Strategie-Workshop mit einem Mittelständler innegehalten und die Vorgehensweise geändert, da die Zukunft absolut im Nebel liegt. Die Geschäftsleitung und ich haben uns an der Handlungsweise der Natur orientiert. Die Natur kennt zwei Vorgehensweisen in der evolutionären Entwicklung. Das was funktioniert, wird weitergemacht und verbessert. Das was nicht oder nicht mehr funktioniert, wird eingestellt. Daran orientiert sich das Unternehmen und versucht gleichzeitig eine Qualität der hohen Reaktionsgeschwindigkeit gepaart mit einer exzellenten Umsetzungsperformance auszuprägen. In Natural Leadership hat die reine Betriebswirtschaftslehre weiterhin ihren Platz. Ein Learning aus meiner langjährigen Zeit als Chief Financial Officer zur aktuellen Situation: „In times of crisis, cash is king!“

Frage: Herr Lüdge, ein letztes Statement zu Ihrer Art der Führung in Krisenzeiten.

Wolf Lüdge: Die Natur ist krisenfest und krisengehärtet seit Millionen von Jahren. Diese Prinzipien werden wir uns als Manager und Führungskräfte in Zukunft zu eigen machen. Natural Leadership, eine Orientierung an der Natur und an der eigenen Natur, ist ein kraftvoller Weg, die Zukunft zu beschreiten.

Danke, lieber Wolf Lüdge, für diese interessanten Einblicke und weiterhin viel Erfolg!

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Wolf Lüdge war in den letzten gut 20 Jahren in verschiedenen Unternehmen in verschiedenen Branchen als Geschäftsführer tätig.

Seine Unternehmen waren im Nachhaltigkeitsmarkt, in der Markenartikelbranche, im Einzel- und Versandhandel und in der IT-Startup-Szene beheimatet.

Was hat sich in seinem Berufsleben in den verschiedensten Branchen wiederholt? Der rote Faden war das Thema Führung.

Heute bietet Wolf Lüdge seine Erfahrung und Expertise als Executive Leadership-Coach an. Sein Ansatz „Von der Natur“ lernen bietet Führungskräften eine Einsicht in das größte und nachhaltigste Unternehmen unseres Planenten. Sein Corporate Blog „Von der Natur lernen“ gibt er Beispiele über das Managementwerkzeugkasten der Natur. Sein Leadership Programm „In 90 Tagen zum Natural Leader“ ist ein Bestseller.

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